Textarchiv

 

2 x intensiv in den Fokus genommen

1. Monstranz, St. Maria Himmelfahrt in Köln-Holweide

2. Taufstein, St. Norbert in Köln-Dellbrück

 

 

 

1. Monstranz, St. Maria Himmelfahrt in Köln-Holweide

von Hildegard Schäfer, Bonn

 

Scheibenmonstranz. Silber vergoldet, getrieben, Email, Glas- und Edelsteine, Perlen, Glasmosaik. H. 70,5 cm, B. 25,8 cm, T. 25,3 cm. Stempel: G. Hermeling und Meister­zeichen GH (Clasen Nr. 96 c, b), 800 Reichs­marken. Firma Gabriel Hermeling (Joseph Kleefisch ?), Köln Anfang 20. Jh. Als Ergän­zung zu der älteren Monstranz beauftragte die Pfarrei Holweide eine aufwendig gestaltete neugotische Monstranz mit Figur der Kirchen­patronin, für die laut Inventareintrag von 1920 der Goldschmied Her­meling „gesammeltes Silber und Gold“ verwendete. Über einem breiten Stehrand (darauf die Stem­pelung mit Meisterzeichen) und einer Zarge mit Vierpass­gitter liegt der komplex kon­struierte Fuß in sechsseitiger Grundform. An den sechs Ecken springen Dreiviertelkreise vor, mit silbernen Distelblüten besetzt. Stern­förmig steigen die mit Maßwerk und hängen­den Lilien gravierten Flächen des Fußhalses zur Mitte auf. Die drei­eckigen Zwickelflächen des Fußrückens sind mit symmetrischem Blattwerk graviert. Über dem sechsseitigen Schaft mit steinbesetztem Nodus und dem Trichter in einer Manschette aus Maßwerk liegt die rechteckige Sockelplatte für den Auf­satz. Das runde Schaugefäß für die Hostie hat eine gekehlte Laibung mit klei­nen Rosetten aus Perlen und Türkisen und eine à jour ge­arbeitete Rahmung aus Bögen mit Blattwerk und Stäben mit Glasperlen auf der Spitze. Zu den Seiten entfaltet sich spät­gotisches Strebe­werk mit Fialen und Wasser­speiern, Kielbögen und geschwungenem Ast­werk, umrankt von dünnem bewegtem Blatt­werk. Je zwei seitliche Arkaden staffeln sich zum Baldachintürmchen in der Mitte, bekrönt von einem Maßwerkhelm und einem Kreuz mit facettiertem roten Edel­stein. Im Baldachin steht die Figur der zum Himmel auffahrenden Maria auf einem Wol­kensaum, mit erhobenen Händen. Die Figur hinterfängt ein in Fensteremail gearbei­teter Strahlenkranz mit blauen Strahlen und rot-gelben Flammen. In den seitlichen Arkaden umschweben sechs Engel das Schaugefäß, je zwei mit Rauch­fässern, SANCTUS-Schrift­bändern und Blas­instrumenten (Trompeten?). Möglicherweise wurde zur Herstellung der Monstranz nicht nur Edelmetall, sondern auch Schmuck gestif­tet, z.B. für die Perlen und Tür­kise in der Laibung des Schaugefäßes. Ein besonders auf­fallendes Schmuckstück ist vorn auf den Fuß appliziert: ein Miniaturmosaik mit kleinen Blüten aus Millefiori-Glas. Wahr­scheinlich handelt es sich um eine Brosche vom Ende des 19. Jahrhun­derts als typisches Italien-Souvenir, die für die Monstranz gestif­tet wurde. Die Goldschmie­destempel und das zur Monstranz gehörige Futteral mit Etikett (Gabriel Herme­ling Hof-Goldschmied & Emailleur Köln) weisen die Monstranz als Arbeit der Werkstatt von Ga­briel Hermeling (1833-1904) aus. Er übergab 1902 die inzwi­schen bedeutendste Kölner Goldschmiedefirma an Joseph Klee­fisch (1861-1931), seinen Schwiegersohn und seit 1888 Teilhaber, der sie unter altem Namen und Verwendung des Stempels von Gabriel Her­meling weiter be­trieb. Die genaue Entste­hungszeit der Mon­stranz ist unbekannt, dürfte aber in die Zeit von Joseph Kleefisch fallen. Größere Ähnlichkeiten bestehen z.B. zur Monstranz in St. Paul, Köln, um 1908 (Abb. in: Kat. Köln 1980, S. 178, Nr. 101). Das transparente Fensteremail war schon seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Spezialität der Firma Hermeling (vgl. Kat. Köln 1981, Nr. 68, 96). Zustand: gut. Standort: Sakristei.

Lit.: unveröffentlicht. - PfA 224 (Inventar 1920-1950), D (7 ?); PfA 225 (Inventar 1966-1992), Nr. 84; PfA 226 (Inventar 1996-2004), Nr. 73. – Zum Goldschmied Joseph Kleefisch: Kat. Köln 1980, S. 170.

 

 

 

 

Taufstein, St. Norbert in Köln-Dellbrück

von Martina Junghans, Bergisch Gladbach

 

Der achteckige Taufstein aus Trachyt (H. 94 cm) stammt aus der Kölner Stiftskirche St. Gereon. Zeit­weise befand er sich – wie eine historische Aufnahme belegt – im Schnütgen-Museum (s.u.). Nach der Benediktion von St. Norbert konnte der mittelalterliche Taufstein im April 1939 für die Kirche von dort erworben werden. Zunächst diente der kleine Raum rechts der Vorhalle, der heute als Beichtraum dient, als Taufkapelle. Erst 1981 kam der Taufstein dann in das Mittelschiff der Kirche. Im Jahre 2004 erfolgte eine weitere Versetzung in den Innenraum hinein, womit die Mittelachse des longitudinalen Baus nun Betonung erfährt und eine Verbindung von Taufort und Altar hergestellt ist (Wegekirche). Der Taufstein hat oktogonale Form, die senkrechten Wandungen sind zweizonig gegliedert. Um den oberen Rand ziehen acht halbrunde, schildförmige Felder mit plastischem Außenring. Die untere Zone ist breiter und zeigt sechs nicht miteinander verbundene Rundbogenarkaden sowie zwei lateinische Kreuze. Die Formen sind in einfacher Linierung in den Stein einge­schlagen. Wie eine historische Foto­grafie zeigt, aufgenommen in der Zeit als das Werk noch im Schnütgen-Museum stand, saß der okto­gonale Stein ehemals auf einem niedrigen, runden Fuß mit Kehlung (Rheinisches Bildar­chiv Köln, Auf­nahme-Nr. RBA 035 594). Form und Gestaltung des Beckens weisen das heute in Dellbrück befindliche Werk als roma­nische Steinmetzarbeit aus. Der Fries aus Halb­kreisbögen erinnert an die vom 10. bis 11. Jahrhundert verbreiteten würfelförmigen Kapitelle. Verbreitet sind in romanischer Zeit auch die Bogenarkaturen in der Art, wie sie sich am unteren Rand finden. In der Literatur wird eine Datierung des Dellbrücker Werkes um 1100 angenommen. Möglichweise ist die Entste­hungszeit sogar noch etwas früher anzusetzen. Jedenfalls haben sich aus der Zeit nicht viele Denkmäler erhalten und es scheint, dass der Taufstein in St. Norbert zu den ältesten zählt, die sich in Deutschland erhalten haben. Sollte er tatsächlich von Anfang an zum Gereonsstift gehört haben, was sich heute nur noch schwerlich beweisen lässt, so könnte er im Zuge der umfangreichen Erneuerungsarbeiten in den Jahren 1067/69 entstanden sein (errichtet wurden in diesen Jahren ein längerer Chor und eine neue Krypta). Mit dem Bau der heute noch erhaltenen Taufkapelle an der Süd­seite der romanischen Stiftskirche in den Jahren zwischen 1242 und 1245, könnte der alte Taufstein dann durch einen neuen, modernen ersetzt worden sein (das heute in St. Gereon befindliche Steinbecken mit achtseitigem Becken gilt als spätromanisches Werk). Möglichweise wurde der alte, nun nicht mehr benötigte Taufstein von St. Gereon dann an die benachbarte, 1172 erstmals erwähnte Pfarrkirche St. Christoph weitergegeben. Dass die kleinere Kirche Tauf­rechte besaß, ist durch erhaltene Taufbücher belegt. Auch nennt ein im Rahmen der Säkula­risation angefertigtes Inventar von 1802 (unterzeichnet von A. Schmitz, Commissaire) bei St. Christoph „la Pierre de Baptème“. Ein weiteres französisches Verzeichnis gleichen Datums nennt für St. Christoph: „ein steinernes Taufbecken“. 1806 wird die Kirche St. Christoph abgerissen, damit musste auch der dortige Taufstein einen neuen Standort finden. Vermutlich kam er nun (zurück?) nach St. Gereon, denn der heute in Dellbrück befindliche Taufstein ist auf einem 1843/44 von Adolph Wegelin angefertigten Aquarell mit der Darstellung der spätromanischen Taufkapelle zweifelsfrei erkennbar (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inv.-Nr. 3529, Abb. im Dellbrücker Kunstinventar).

Sollte das Becken tatsächlich aus der frühen Zeit des Gereonstiftes stammen, so wäre der örtlichen Überlieferung in Dellbrück, nach der der Kirchenpatron, der Heilige Nobert, Gründer des Prämonstra­tenserordens und Bischof von Magdeburg, Kinder an dem Becken getauft hat, eine konkrete Grundlage gegeben. Denn von dem Heiligen Norbert ist bekannt, dass er im Jahre 1121 in St. Gereon nach den Gebei­nen des Anführers der Thebäischen Legion und seiner Gefährten suchen ließ. Er hat sich anlässlich dieser auf­wendigen Grabungen sicherlich länger in der Kirche aufgehalten. Das Relief an dem jüngs­ten Altar in der Krypta von St. Norbert, gearbeitet von der Schnitzergruppe von St. Norbert (1990), kann diesbezüglich als eindrückliches Zeugnis verstanden werden, dass das Wissen um bedeutungsvolle Geschehnisse weiterhin wirkt.

 

(erschienen in: Pfarrbrief "Gemeindeleben", Kirchengemeindeverband Dellbrück/Holweide 02/2016)

 

 

 

 

 

 

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